Weltoffen aber nicht beliebig, werteorientiert aber ohne Scheuklappen

                                                             

 

 

Buch des Monats Januar 2026: 

 

NICHT OHNE HOFFNUNG

 

 

Der tschechische Priester Tomas Halik (geb. 1948) ist wohl einer der besten Beobachter unserer Zeit. Feinfühlig, tiefgründig und realistisch betrachtet er die moderne Gesellschaft. Diese findet aus dem Krisenmodus nicht mehr hinaus. Warum? Weil ihr die Hoffnung abhandengekommen ist. Seit dem 18. Jahrhundert, der Zeit der sogenannten Aufklärung, hat der nordamerikanisch-europäisch verortete Mensch zielstrebig an einer "besseren Welt" gearbeitet, in der in absehbarer Zeit alle lebensbedrohlichen Elemente beseitigt sein würden. Die Realität ist allerdings ernüchternd. Nach wie vor beherrschen Krieg, Gewalt, Elend weite Teile unseres Planeten. Die im 19. Jahrhundert so hoch gelobte, ja geradezu "vergötterte" Wissenschaft wird zunehmend beargwöhnt und erinnert mittlerweile an einen Zusammenschluss von Zauberlehrlingen, die es nicht erwarten können, die Büchse der Pandora, auch auf die Gefahr hin, Katastrophen loszutreten, zu öffnen. Haliks Analyse nimmt die Kirchen nicht aus. Auch die Christen erscheinen ihm mehr und mehr desorientiert, bereit, selbst fragwürdigen Neuerungen nachzulaufen, in der Hoffnung, das, was sie "Glaubensschwund" nennen, zu überwinden. Der "illusorische Optimismus" ist an sein Ende gekommen, so Tomas Halik. Wer nicht in "verbitterten Pessimismus, stoische Resignation, Verzweiflung oder Zynismus" verfallen wolle, müsse den "Schlüssel der Hoffnung" wiederfinden, aber nicht einer naiven Hoffnung, die verspreche, dass sich irgendwann schon alles zum Guten wenden werde, sondern einer realistischen Sichtweise, welche die Kraft gebe, Situationen zu ertragen, "die von der Zusage eines Happyends meilenweit entfernt sind." "Hoffnung ist der Spalt, durch den wir auch in den bedrückendsten Momenten der Gegenwart einen Hauch auf Zukunft einatmen können."